Ghosting mit dem eigenen früheren Ich

Ghosting – nicht nur bei Dates, sondern auch mit sich selbst.

Neulich, beim Scrollen durch alte Fotos, blieb ich an einem hängen. Ich sah mich selbst – jung, mit zu großem Blazer, roten Lippen, einem Blick voller scheinbarer Klarheit. Ich wirkte so, als hätte ich einen Plan. Spoiler: hatte ich nicht. Ich sah sie an, diese frühere Version von mir, wie man einen Ex in der Bahn anschaut – halb neugierig, halb unangenehm berührt, halb: „Wie konnte ich dich nur vergessen?“

Es gibt Versionen von uns,

mit denen wir uns bis heute identifizieren können. Die mutig waren, neugierig, wach. Die schon mit 19 Dinge gecheckt haben, für die andere 40 werden müssen. Aber dann gab es auch die anderen Phasen. Die, in denen wir ein völlig verdrehtes Weltbild hatten. Wo wir Entscheidungen getroffen haben, die aus heutiger Sicht absurd wirken. Und keiner war da, um uns zu sagen: „Hey, du denkst da gerade total schief.“

Ich frage mich oft: Warum hat mir das niemand früher gesagt? Warum hat niemand diese innere Schieflage gespürt, als ich dachte, mein Wert bemisst sich ausschließlich an Leistung, an Geld, an Anerkennung von außen? Ich weiß bis heute nicht, warum das so war. Aber ich weiß, wann es aufgehört hat.

Es war das Buch „Wer loslässt, hat zwei Hände frei“. Ein schlichter Titel. Ein stiller Gamechanger. Es brachte mich zu einem Meditationsurlaub – lange bevor Achtsamkeit auf jedem Milchkaffee klebte. Damals war Spiritualität noch nicht Instagram-ästhetisch. Es war roh, echt, seltsam unbequem. Und es veränderte mich. Oder besser: Es ließ mich mich erinnern.

Von da an war es,

als hätte jemand den Wasserhahn aufgedreht. Das Buch führte mich zum Urlaub, der Urlaub zur Coaching-Ausbildung. Und plötzlich floss es. Idee nach Idee. Entscheidung nach Entscheidung. Ich begann, mein Leben selbst zu gestalten – nicht als Projekt, sondern als Prozess. Ich bin heute weit entfernt von der, die ich mal war, als ich noch glaubte, nur wer etwas leistet, verdient es, gesehen zu werden.

Der größte Ablöseprozess war nicht laut – er lief leise mit. Und ich hab ihn lange nicht bemerkt.

Ich habe mich unbewusst von diesem Ich getrennt. Nicht aus Hass, nicht aus Scham. Einfach, weil ich es überlebt habe. Weil ich irgendwann gespürt habe: Es gibt noch eine andere Version von mir. Eine, die nicht abhängig ist vom Gesehenwerden. Eine, die einfach da ist. Still. Stark. Echt.

🔮 Tarot Spread: Ghosting mit dem eigenen Ich

Ein Spread für Heilung, Integration und das liebevolle Zurückholen der Teile, die du unterwegs verloren hast.

Wir alle lassen Versionen von uns hinter uns – manchmal bewusst, oft aber auch ganz still. Dieses Tarot-Spread hilft dir, genau dort hinzuschauen: Welche Anteile hast du vergessen, verdrängt, vielleicht sogar geghostet? Und was braucht es, um sie wieder zu integrieren?

Warum das so wichtig ist?
Weil echte Weiterentwicklung nicht bedeutet, alte Ichs auszulöschen – sondern sie mitzunehmen. In der Tiefe zu verstehen, warum sie da waren. Und wie sie dich geformt haben.

Meine eigene Auswertung findest du weiter unten im Text. Vielleicht erkennst du dich in ihr wieder – oder findest den Mut, deinem eigenen früheren Ich eine neue Frage zu stellen.

6 Karten • Tiefe Selbstbegegnung • Klarheit statt Kitsch

1. Die Version von mir, die ich geghostet habe
→ Wer war ich damals? Was habe ich verdrängt, vergessen, nicht verabschiedet?

2. Warum habe ich mich von ihr getrennt?
→ Welche Gefühle, Überzeugungen oder Ängste standen dazwischen?

3. Was wollte sie mir eigentlich zeigen oder lehren?
→ Welche Ressourcen, Stärken oder Wahrheiten habe ich übersehen?

4. Was brauche ich, um ihr heute mit Mitgefühl zu begegnen?
→ Was hilft mir, nicht zu urteilen, sondern zu verstehen?

5. Wie kann ich sie liebevoll integrieren?
→ Was ist mein nächster bewusster Schritt in Richtung Verbindung?

6. Was entsteht, wenn ich sie wieder in mein Leben lasse?
→ Was wird durch die Versöhnung mit meinem früheren Ich möglich?

✨ Intention für den Spread:
„Ich bin bereit, alle Anteile von mir zu sehen – auch die, die ich vergessen oder verdrängt habe. Ich öffne mich für Heilung, Verbindung und die Kraft meiner eigenen Geschichte.“

Natürlich habe ich diese Ghosting – Legung auch selbst gemacht –

wäre ja seltsam, dich auf eine Reise zu schicken, die ich nicht selbst gegangen bin. Und weil ich glaube, dass echte Erkenntnis oft im Persönlichen liegt, nehme ich dich jetzt mal kurz mit in meine Karten, in meine Vergangenheit, in mein eigenes Ghosting mit mir selbst.

Die erste Karte, die ich zog, war der Gehängte.


Und zunächst dachte ich: Passt nicht. Ich war damals alles andere als gelähmt oder untätig – ich war jung, stark, voller Energie. Ich war entscheidungsfreudig, handlungsbereit und überzeugt davon, dass mir die Welt offensteht. Und ja, in gewisser Weise tat sie das auch.

Was ich aber nicht sah: meine eigene Verletzlichkeit. Ich war so sehr mit meiner Kraft identifiziert, dass ich gar nicht bemerkte, wie sehr ich gleichzeitig gegen eine innere Ohnmacht ankämpfte. Die kam nicht aus mir – sie kam aus der Welt um mich herum.
Ich sah Ungerechtigkeiten, Konkurrenz, dieses ständige Gegeneinander – und ich verstand nicht, warum Menschen so sein müssen. Warum sie sich gegenseitig klein machen, statt sich zu stützen. Ich kam aus dem Leistungssport, war auf Teambuilding programmiert. Für mich war klar: Gemeinsam ist man stärker.
Aber in dieser Ellenbogengesellschaft, in die ich da hineinwuchs, fühlte ich mich fremd. Ich versuchte, gegenzuhalten – mit Leistung, mit Stärke, mit Durchhaltevermögen. Und merkte nicht, wie sehr ich dabei auch verletzt wurde. Und vielleicht auch andere verletzte – nicht aus Absicht, sondern aus Unwissenheit. Weil mir niemand andere Geschichten erzählt hatte.

Heute verstehe ich, was der Gehängte mir sagen wollte:
„Dreh dich um. Sieh die Welt aus einer anderen Perspektive. Deine Wahrheit ist nicht die einzige.“

Damals hätte ich genau diese Botschaft gebraucht. Nicht als Kritik, sondern als liebevolle Erinnerung daran, dass Kraft ohne Bewusstsein oft härter wirkt, als sie will. Und dass echte Stärke auch darin liegt, die eigene Verletzlichkeit zu sehen – und zu zeigen.

Ghosting – Dann kam der Eremit.


Und ich wusste sofort: Das passt. Die Frage war, warum ich mich von meinem früheren Ich getrennt hatte – und die Antwort lag genau dort. Denn mit dem Moment, in dem ich begann, mich tief mit mir selbst zu beschäftigen, verließ ich auch die alte Version von mir. Nicht aus Ablehnung. Sondern weil ich weiterging.

Der Eremit steht für Rückzug – und dieser Rückzug war für mich der Anfang von etwas Großem. In meiner Coachingausbildung begann ich, das erste Mal wirklich zuzuhören. Den Geschichten anderer Menschen. Den Zwischentönen meines eigenen Lebens. Ich erkannte: Das Leben ist ein Fluss. Und zwischen Himmel und Erde gibt es mehr, als man mit bloßem Auge sieht.

In diesem Prozess wurde etwas in mir geboren: mein Ort zwischen den Welten. Zwischen Macht und Ohnmacht. Zwischen Stärke und Verletzlichkeit. Zwischen emotionaler Tiefe und mentaler Klarheit. Genau dort – im Dazwischen – liegt mein innerer Kompass. Und dieser dreijährige Rückzug war kein Verlassen meines alten Ichs, sondern der Anfang einer neuen Verbundenheit mit allem, was ich bin.

Wenn ich von einem dreijährigen Rückzug spreche, meine ich nicht Stillstand. Spoiler: Ich habe ganz normal weitergearbeitet, Rechnungen bezahlt, Meetings überlebt. Aber ich war nicht mehr im Außen unterwegs. Mein Fokus lag innen. Und genau dort – fernab von Applaus, Erwartungen und To-do-Listen – begann die eigentliche Transformation.

Die sechs der Münzen zeigte mir, was sie mir eigentlich zeigen wollte:


Geben und Nehmen im Gleichgewicht. Und wenn ich ehrlich bin: Genau das war mein größtes Thema. Ich war ein absolutes Everybody’s Darling. Immer freundlich, immer hilfsbereit. An der Arbeit habe ich mich verausgabt, privat war ich für jeden da. Ich war der klassische emotionale Mülleimer – konnte nicht Nein sagen, wollte niemanden enttäuschen. Und hinter all dem: der ewige Sonnenschein.

Was mir diese Karte bewusst gemacht hat: Ich hatte nie ein Problem mit dem Geben. Mein Problem war das Nehmen. Oder besser gesagt: das Annehmen. Ich konnte nicht akzeptieren, dass auch ich Unterstützung brauche. Ich fühlte mich immer allein verantwortlich – stark, kontrolliert, souverän. Für mich gab es die Option gar nicht, dass andere mir helfen könnten

Diese Karte war ein Aha-Moment.
Sie hat mir gezeigt, dass Würde nicht nur darin liegt, stark zu sein – sondern auch darin, sich helfen zu lassen. Und dass wahre Verbindung nur entstehen kann, wenn Geben und Nehmen sich die Hand reichen.

Was ich heute brauche, um meinem früheren Ich mit Mitgefühl zu begegnen? Die Mäßigkeit.


Sanftheit. Geduld. Kein Drama, keine Schuldzuweisung. Einfach das Verständnis: Sie hat getan, was sie konnte – und das war viel.

Ich war damals emotional oft überfordert und gleichzeitig geistig unterfordert. Der Job passte nicht zu mir, aber er war das, was möglich war. Mein Vater kannte den Chef – so lief das eben. Es ging nicht um Potenziale, sondern um Platzierung.

Und trotzdem habe ich geglänzt. Weil ich leistungsstark war, weil ich mich durchgebissen habe. Ich habe gelernt, Verantwortung zu tragen, mich durchzubeißen, auch wenn’s nicht mein Traum war. Und vor allem: Ich habe viel über Menschen gelernt. Über Machtspiele, über Teamgeist, über toxische Dynamiken – und über das Potenzial, das entsteht, wenn Menschen sich entscheiden, füreinander statt gegeneinander zu arbeiten. Diese Phase war kein Umweg – sie war Fundament.

Wie ich sie heute integrieren kann, fragte ich – und bekam die Sieben der Kelche.


Diese Karte hat ins Schwarze getroffen. Denn genau das war ich damals: vielseitig, talentiert, aber ohne klare Richtung. Nicht überfordert, aber orientierungslos.

Ich hatte keinen Mentor, niemanden, der mir half, Ordnung ins Innenleben zu bringen. Stattdessen Multitasking im Job, ständiges Funktionieren – und das Gefühl, alles zu können, aber nicht zu wissen, wer ich eigentlich bin.

Die Sieben der Kelche steht für Wahlmöglichkeiten. Und genau das war mein Konflikt: Muss ich mich für einen Kelch entscheiden? Heute weiß ich: Ich darf alle sein. Und vor allem das, was dazwischen liegt. Das war mein Ablöseprozess – raus aus der Idee, mich festlegen zu müssen. Rein in die Erkenntnis: Ich passe nicht in eine Schublade, in einen Kelch – ich bin der Raum dazwischen.

Und was passiert, wenn ich mein früheres Ich wieder in mein Leben lasse?

Die Sechs der Kelche.


Sanftheit. Erinnerung. Ein inneres Zurücklehnen. Nicht als Rückschritt, sondern als Rückverbindung. Kein Zurück in alte Muster – sondern ein Ankommen bei mir selbst.

Ich werde diese Version von mir nicht noch einmal leben. Aber ich kann ihr heute endlich sagen: Danke, dass du mich bis hierher getragen hast.

Diese Karten waren ehrlich – und überraschend liebevoll.
Sie haben nicht gebohrt, sie haben begleitet. Undaben mich gesehen. Und manchmal ist das alles, was wir brauchen, um wieder ganz zu werden.

Meine Erkenntnis aus dem Ghosting Spread:


Ich habe mein früheres Ich nicht verloren – ich habe mich weiterentwickelt. Aber sie ist der Boden, auf dem ich heute stehe.🥲

Vielleicht erkennst du dich in manchen dieser Gedanken wieder. Vielleicht hast du auch schon mal leise „Tschüss“ zu einem früheren Ich gesagt – ohne Abschiedsbrief, ohne Drama.

Wenn du tiefer in diese Zwischenräume eintauchen willst – zwischen Macht und Verletzlichkeit, Wandel und Wahrheit – dann findest du genau das in meinem Buch:

📖 Briefe aus dem Universum – echte Gedanken zwischen den Welten.
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Vielleicht findest du darin einen Brief, der sich anfühlt, als wäre er für dich geschrieben worden.

Mila

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