
Die Angst vor dem Krieg
Und wenn es doch passiert? Die Angst vor dem Krieg – und wie wir damit leben können
Ich stand im Supermarkt vor dem Regal mit den Dosen. Eine Frau neben mir greift nach drei Packungen Ravioli, ich nach Hafermilch, als sich unsere Blicke treffen. Ein kurzes Zögern. Und dann sagt sie halblaut: „Man weiß ja nie.“
Ich nicke. Wir sagen nichts weiter. Aber die Stimmung hängt in der Luft wie dichter Nebel: Diese neue Form von Unsicherheit. Dieses leise, nagende Was, wenn doch?
Wird es Krieg in Deutschland geben?
Diese Frage schleicht sich nicht durch die Tür – sie kommt durch alle Kanäle, durch Schlagzeilen, Meinungen, Tweets, durch Tischgespräche bei Rotwein und die Stille, die danach bleibt.
Und ich verstehe diese Angst. Ich spüre sie auch.
Nicht ständig, nicht lähmend. Aber sie ist da – unterschwellig, ernst, real.
Und sie hat ein Recht da zu sein. Denn: Wir leben in einer Zeit, in der politische Entscheidungen weitreichender denn je wirken, und in der das Wort „Krieg“ plötzlich wieder Teil unserer Alltagsrealität ist. Nicht nur woanders, sondern als denkbare Option hier.
Aber hier kommt etwas Wichtiges:
Angst ist nicht das Problem. Wie wir mit ihr umgehen, ist der Schlüssel.
Ich habe keine Glaskugel. Ich bin kein Polit-Analyst.
Was ich habe, ist ein Herz, das viel fühlt. Und ein Kopf, der gelernt hat, mit Unsicherheit zu leben – ohne ihr das Steuer zu überlassen.
Denn die Wahrheit ist:
Niemand – wirklich niemand – kann dir garantieren, dass es nie Krieg in Deutschland geben wird.
Aber auch niemand kann dir nehmen, wie du auf diese Möglichkeit antwortest.
Und genau da liegt deine Kraft.
Ich möchte dir ein paar Dinge mitgeben, die mir helfen – nicht, die Angst zu verdrängen, sondern mit ihr zu leben, ohne mich von ihr beherrschen zu lassen.
1. Grenze dich ab – mental und emotional.
Nicht jede Nachricht musst du lesen. Nicht jede Meinung musst du teilen.
Wähle bewusst, wem du zuhörst. Weniger Doomscrolling, mehr Fokus.
Dein Nervensystem ist kein Nachrichtenticker. Du darfst Pause machen.
2. Baue Inseln der Stabilität.
Rituale. Bewegung. Natur. Gespräche mit Menschen, die dich nicht zusätzlich ängstigen, sondern erden.
Dein Alltag darf leicht sein – auch wenn die Welt schwer wirkt. Das ist kein Eskapismus. Das ist Widerstand in Würde.
3. Vertraue deinem Mitgefühl.
Wenn du dich schlecht fühlst, weil du viel fühlst – dann erinner dich:
Mitgefühl ist kein Luxus. Es ist der Anfang von Frieden.
Wenn dich das Weltgeschehen berührt, bedeutet das: Du bist verbunden.
Und genau das brauchen wir.
4. Tu, was du kannst. Und erkenne, was du nicht musst.
Spenden. Aktiv werden. Schreiben. Aufklären. Oder einfach: Für jemanden da sein.
Du musst nicht alles tragen. Aber du darfst entscheiden, was du beitragen willst.
Ich weiß, dass das nicht alle Fragen beantwortet.
Ich weiß, dass es Momente gibt, in denen selbst ein warmer Tee oder eine Umarmung nicht reicht.
Aber ich weiß auch:
Die Zukunft ist kein fertiges Drehbuch. Sie entsteht aus unseren Entscheidungen. Jeden Tag.
Du musst nicht mutig sein. Du musst nur wahrhaftig sein. Und das ist mutig genug.
Wenn dich diese Zeit verunsichert – du bist nicht allein.
Und wenn du Stabilität suchst, fang bei dir an. In deinem Körper. In deinem Raum. In deinen Gedanken.
Ich bin hier. Und ich glaub daran:
Dass wir auch in ungewissen Zeiten Frieden finden können. Nicht, weil die Welt sich ändert. Sondern weil wir anders mit ihr umgehen.
Wie fühlst du dich in all dem?
Was hilft dir, klar zu bleiben, wenn alles laut wird?
Erzähl es mir. Oder dir selbst.
Aber sprich es aus.
Mila
P.S.
Wenn dich das Thema berührt – dieses Spannungsfeld zwischen Weltgeschehen und innerer Welt –
ich habe auch in meinem Buch „Briefe aus dem Universum“ darüber geschrieben.
Zum Beispiel im Brief: „Wenn das Schöne schmerzt – weil du das Leid siehst“.
Ich habe ihn für genau diese Momente geschrieben,
in denen du dich kaum noch traust, glücklich zu sein –
weil du weißt, dass am anderen Ende der Erde gerade Menschen sterben.
Weil Krieg nicht nur Grenzen zerstört, sondern auch das Gefühl, Freude zu dürfen.
Und vielleicht hilft dir dieser Brief, dich daran zu erinnern:
Mitfühlen heißt nicht, dass du dich selbst vergisst.
Du darfst das Schöne lieben – gerade weil das Schwere existiert.
Du findest den Brief auf Seite 138.
Und vielleicht findest du dich darin wieder.


